Fragen kann ja nicht schaden, oder?

Von Gastautor Andreas

„Wie geht‘s?“ – die vielleicht am häufigsten gestellte Frage. Vielleicht will sie Interesse am anderen zeigen oder den Kontakt eröffnen. (Vielleicht ist sie bei einigen auch eher eine Floskel wie „Guten Tag“, ohne jegliches Beziehungsangebot.)

Bei ernsthaftem Interesse am Gegenüber ist sie wahrscheinlich Wohl-wollend und verbindend gemeint. Doch wirkt sie auch auf alle Menschen so? Ich erlebe sie meist als unangenehm.

Einschub – um Missverständnissen vorzubeugen: Damit meine ich nicht das diese Frage grundsätzlich falsch ist oder Du Schuld bist an meiner inneren Misere (s.u.)!! Mir geht es ausschließlich darum aufzuzeigen, wie gewohnte Sprachmuster auch wirken können. Vielleicht geht es Dir wie mir und ich bin mit meinem Anders-sein nicht mehr so alleine. Oder Du erlebst diese Frage zwar nicht so, willst jedoch evtl. Deinen gewohnten Einstiegssatz verändern, nachdem Du gelesen hast, wie er auf Menschen wie mich wirkt. Beides schafft viel Verbindung für mich!

Zurück zum Thema: Die Frage „Wie geht‘s?“ trifft mich unvermittelt in der Anfangsphase, wo wir uns gerade erst neu begegnen oder kennenlernen. Dann poppen ganz viele Fragen in meinem Inneren gleichzeitig auf:

• Wie tief/ernst ist Dein Interesse? Erwartest Du vielleicht nur ein „gut!“, „geht so.“ oder „muss ja!“ und mehr Details sind Dir gerade zu viel? Oder bist Du wirklich offen auch Schweres von mir zu hören?

• Und wie wirst Du darauf reagieren? Mit Trost, guter Zusprache, Tipps oder eigenen Erfahrungen dazu? Oder wirst Du mir rein einfühlsam zuhören und nachfragen, was ich jetzt brauche?

• Habe ich momentan genug vertrauen zu Dir, um mich ganz zu zeigen und mich tiefer auf Deine Frage einzulassen?

• Wie viel will ich gerade überhaupt von mir zeigen? Will ich gerade tief in mich spüren?

• Darf ich lügen, wenn ich nicht wieder über mein momentanes Leid sprechen will?

Kennst auch Du diese unangenehme Berührtheit bei dieser Einstiegsfrage? Oder – falls Du das bei Dir nicht kennst, hättest Du damit gerechnet, dass diese „einfache“ Frage so viel in einem anderen auslösen kann?

(Tiefer in mich geschaut: Vielleicht erinnern sich andere auch mehr an die angenehmen Seiten ihres Lebens bei dieser Frage. Ich erinnere mich fast automatisch an meine unangenehmen. Und vielleicht ist mir in meiner Kindheit auch zu sehr gepredigt worden, dass ich auf alle Fragen ehrlich antworten muss. Doch kann ich das beides ändern? Und muss ich das ändern, oder kann ich mir – vielleicht mit Dir – „Inseln“ schaffen, wo ich mich wohl fühle?)

Angenehm ist mir ein Gesprächseinstieg beispielsweise so: „Hallo, schön, dass wir uns wiedersehen! Magst Du gerade mit mir teilen, was in Dir lebendig ist oder magst Du lieber, was von mir hören?“

Und so wie mit dieser Frage, kann es mir auch mit anderen Fragen gehen, insbesondere wenn Du bei für mich unangenehmen, persönlichen Themen immer genauer nachfragst. Darf ich hingegen frei von mir sprechen und Du hörst mir schlicht einfühlsam zu; unterbrichst mich, wenn Du nicht mehr zuhören magst und erzählst mir danach umgekehrt auch persönlich sowie rein ich-bezogen von Dir, dann fühle ich mich wohl und verbunden mit Dir.

Doch was tun? Auch mir fällt es immer noch schwer die gewohnten Kommunikationsmuster zu verlassen – zu stark ist die Gewohnheitsenergie. Deshalb habe ich die LebWendig-Initiative ins Leben gerufen, die mit ihren gebührenfreien Gruppen „Begegnungs-Inseln“ schafft, wo wir dieses andere Miteinander erleben und vertiefen können. Falls Du Dich von diesem anderen Sprechen angezogen fühlst – egal, ob Du mit dem gewohnten gut kannst oder nicht – dann bist Du herzlich eingeladen, teilzunehmen. Wir freuen uns auf Dich!

Mehr Infos unter: visiana.de/lebwendig

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