Postwachstum? Nein Danke!

Wo wollen wir eigentlich hin? Diese Frage beschäftigt mich schon eine ganze Weile. Die wunderbare Subkultur, die im Zeichen des Wandels entsteht, spricht von der Zeit der Transformation, der Zeit der Veränderung oder von Postwachstum (engl. Degrowth).

Doch kann ich mich mit meinen Idealen, Bedürfnissen und Wünschen an die neue Zeit, in all diesen Begriffen nicht richtig wieder finden. Sprechen sie doch, von der Überwindung, von einer Negation des Hier und Jetzt, nicht von einem eindeutigen Ziel.

Um effektiv und gemeinschaftlich ein Ziel zu erreichen, sollte man dieses auch benennen können. Das bündelt Energien, bringt Gleichgesinnte zusammen und schafft Synergien.

Im vergangenen Monat haben wir einen Workshop veranstaltet, der sich genau mit dieser Fragestellung auseinandersetzt. Es ging darum die Negation in der Begrifflichkeit und die damit verbundene negative Perspektive zu überwinden und ein positives Ziel zu formulieren.

Sicher, wenn das so einfach wäre, hätten es vielleicht schon viele Andere vor uns geschafft. Nach einem inspirierenden Austausch auf persönlicher, gesellschaftlicher und politischer Ebene konnten wir uns zumindest darauf einigen, dass wir eine von Gemeinwohl geprägte Gesellschaft anstreben.

Auf dem Heimweg und noch viele Tage danach, kreisten in meinem Kopf weiter die Gedanken um den Postwachstums-Begriff. Noch etwas anderes störte mich, neben dem „post“, also der angestrebten Überwindung des Ist-Zustandes, ohne ein konkretes Ziel zu benennen. Es ist der auf mich sehr pauschalierend wirkende Ausdruck des Wunsches nach Überwindung von Wachstum. Wollen wir das wirklich?

Wachstum ist ein natürlicher Prozess und ein urmenschliches Bedürfnis. Jeder Baum, jedes Lebewesen strebt nach Wachstum, nach Weiterentwicklung. Das ist Evolution! Es ist also nicht das Wachstum, welches wir überwinden sollten, sondern das Wachstum „auf Kosten“ von Mensch, allen Lebewesen und der Natur.

Ich wünsche mir auch in Zukunft ganz viel Wachstum! Wachstum an intellektueller und emotionaler Intelligenz. Wachstum an Technologien die unser Leben auf diesem Planeten gesünder und lebenswerter machen. Ich wünsche mir Ideenwachstum, wenn es um erneuerbare Energie, die Wiederverwertung von Ressourcen oder um die Verbesserung der Ökologie auf unserem Planeten geht.

Und natürlich wünsche ich mir ganz viel individuelles Wachstum. Das jeder die Möglichkeit bekommt über sich hinaus zu wachsen, seine persönlichen Stärken und Talente zu entfalten. Das jeder Mensch wahre Selbst- und Nächstenliebe erfahren darf. Wachstum an Bewusstsein, an Akzeptanz, an Mitgefühl und Empathie, an Miteinander und Füreinander.

Quelle: www.pixabay.com

3 Kommentare zu „Postwachstum? Nein Danke!

  1. Zunächst möchte ich Dir zustimmen. Ich persönlich bleibe stecken, wenn ich beschreibe, was ich nicht mehr haben will. Andere brauchen neben dem Traum / der Vision, wo es hingehen soll, auch die klare Sicht auf die derzeitigen Missstände und damit auf das, was es zu überwinden gibt. Das erweckt „Angst“ oder Befürchtungen in ihnen (quasi den Überlebensinstinkt), die sie antreiben etwas zu tun. Mich persönlich lähmt „Angst“ nur, so dass ich möglichst ausschließlich aus Freude heraus handeln will und die ziehe ich aus meiner Vision von einem Miteinander von morgen. (Und Freude heißt bei mir nicht, dass es nicht auch mal richtig anstrengend sein darf oder keine schmerzlichen Enttäuschung auftreten dürfen.) Oder um des mit den Worten einer der GLS-Initiatoren (GLS = Gemeinschaftsbank Leihen und Schenken e.G.) zu sagen: „Die Angst vor einer Zukunft die wir fürchten, können wir nur überwinden durch Bilder einer Zukunft, die wir wollen.“
    Ich vertraue darauf, dass alle Weisheit des Lebens schon in mir steckt (sozusagen das kollektives intuitives Wissen) und dass ich deshalb nicht die Probleme unserer Zeit im Detail analysieren muss, um mich in eine Richtung zu entwickeln, die ich mir von Herzen so sehr wünsche.
    Ich meine auch, dass der Begriff „Postwachstum“ nur beschreibt, wovon es weggehen soll. Doch darin liegt für mich allerdings auch eine wesentliche Erkenntnis und damit indirekt auch eine klare Ausrichtung für die Zukunft, nämlich dass das Streben nach immer mehr, auf Dauer nicht zum Wohlbefinden führt. Dazu würde ich gerne noch weiter ausholen – ein Thema, das mich persönlich sehr berührt – doch ich finde, dass sprengt den Rahmen eines Kommentars. Vielleicht schreibe ich bald dazu mal einen eigenen Blogartikel.
    Jetzt möchte ich Dich noch einladen, falls Du auch als Basis Deines Wirkens für den Wandel, den sich viele so sehr wünschen, ein anderes Miteinander brauchst (wie wir miteinander sprechen, einander zuhören, feiern und aktiv werden), mit mir in Kontakt zu treten. Mehr Infos zu meinen Ideen findest Du auf http://www.visiana.de/lebwendig. Ich freue mich auf Gleichgesinnte! Dies ist meine einzige Motivation, ich will nichts mit meinen Gruppen verdienen.

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  2. Man könnte womöglich auf der Stelle sämtliche Religionen und Staatsregierungen abschaffen, wenn jeder Mensch nach seinem eigenen Gewissen handeln und Kant’s Kategorischen Imperativ befolgen würde – nämlich, dass jegliche Handlung so gut durchdacht sei, dass sie für jeden Menschen nachvollziehbar und zu einer allgemein gültigen Regel tauglich sei – was aber (noch) eine Utopie zu sein scheint. Doch wer hätte schon vor nicht einmal 100 Jahren mit Gewissheit sagen oder auch nur erahnen können, dass der Mensch zum Mond fliegen würde – die Gedanken sind doch frei, und wir haben zum Glück noch jede Menge Illusionen und Visionen – darum lautet mein Motto: „Alles ist schon vorhanden, es muss nur noch gedacht werden“ und meine Maxime heißt: „Machen wir das Mögliche möglich“. Ein großartiger und in seinem Mut und seiner Zuversicht unermüdlicher und unerschrockener Streiter für die „Befreiung des Menschen“ (Vergebung statt Vergeltung – Mut machen statt Angst – Liebe geben und Vertrauen schenken, anstatt Misstrauen zu schüren und Hass zu predigen – Fehler verzeihen, anstatt zu verurteilen) und zur „Humanisierung des Menschen“, ist der Schweizer Soziologe, Politiker und Sach- und Romanautor, Jean Ziegler, der die Vision von einem „befreiten Planetarier“ hat – („….es darf nicht länger Tatsache bleiben, dass der Zufall des Geburtsorts eines Menschen darüber entscheidet, ob er Opfer oder Täter in dieser vom menschenverachtenden Raubtierkapitalismus geprägten Welt ist und bleibt….“) Kriege werden nur geführt, um ressourcenreiche Erdregionen zu kontrollieren und damit Macht über andere Menschen zu haben. Aber das ist ein Irrweg, eine Sackgasse, weil wir damit unsere wirklichen Probleme nicht lösen werden. Die eigentliche Ursache und damit das nicht mehr länger tolerierbare Problem, nämlich die Ungerechtigkeit, liegt sowohl am Unwillen als auch an der Unfähigkeit zur gerechteren Verteilung der vorhandenen Ressourcen, nicht an der Knappheit! „Die Menschwerdung ist noch, und doch schon, in vollem Gange!“ – Ohne Hoffnung und ohne Mut wird es keine Zukunft auf Dauer für uns Menschen geben, soviel ist Gewiss.
    Hören wir auf, Mensch zu sein, wenn wir nicht mehr egoistisch sind – oder beginnen wir erst, wirklich menschlich zu werden, wenn wir tatsächlich uneigennützig handeln – oder sind wir doch immer egoistisch? Auch in unserem Willen, selbstlos zu sein? Können wir am Ende doch nicht anders? Obwohl wir es wollen – das wäre traurig! Der Egoismus darf nicht siegen….

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